Pignarul

Der Pignarûl ist ein hoher Haufen aus Holz und Heu, der in einigen Gegenden unserer Region traditionell am Abend des 5. oder – weitaus häufiger – am Abend des 6. Januar angezündet wird.
Die Richtung, in die der Rauch zieht, hat eine besondere Bedeutung. Ein altes Sprichwort aus dem Friaul besagt: „Se il fum al va a soreli a mont, cjape il sac e va pal mont; se il fum invezit al va de bande di soreli jevât, cjape il sac e va al marcjât.“ Übersetzt bedeutet das: Zieht der Rauch nach Westen, nimm den Sack und zieh in die Welt hinaus; zieht er hingegen nach Osten, nimm den Sack und geh auf den Markt. Die Richtung des Rauchs ist somit ein Vorzeichen für ein gutes oder schlechtes Jahr.
Mit dem Jahreswechsel und dem nahenden Dreikönigstag zählt der „Pignarûl“ zu den vielfältigen und ältesten Bräuchen Friauls; es handelt sich dabei um ein Ritual, das offenbar mit der Verehrung von Belanu, einer protokeltischen Lichtgottheit, in Verbindung steht.
Diese von den Kelten verehrte Gottheit war für ihren Einfluss auf das Sonnenlicht und folglich auch auf den Wechsel der Jahreszeiten, die Temperaturen sowie auf alle davon abhängigen menschlichen Tätigkeiten – wie etwa Ackerbau und Viehzucht – bekannt. In der Antike war der Kult des Belanus im Glauben der Karnier verankert; er wurde insbesondere in Aquileia intensiv gepflegt, wo ihm ein Tempel geweiht war.
Die Tradition, anlässlich der mit Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden verbundenen Feiertage Feuer zu entzünden, steht in direktem Zusammenhang mit der Verehrung von Belanu. Die Bedeutung dieser „friaulischen Feuer“ ist somit in alten keltischen Reinigungs- und Segensriten zu suchen. Oftmals wurde die Asche anschließend auf den Feldern verstreut, um Unheil abzuwenden und im Gegenzug eine reiche Ernte zu sichern. Das Feuer galt als Symbol der Reinigung und der Wiedergeburt zu neuem Leben.

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